Sonntag, 20. März 2011

Ich will auch mal was sagen

Ich habe vor zwei Monaten Facebook gelöscht. Ja, ich habe es tatsächlich geschafft, obwohl ich täglich mindestens eine Stunde auf dieser Seite verbrachte, konnte ich mich doch dazu durchringen einen Schlussstrich zu ziehen. Es nervte mich den Grossteil meiner Freizeit im Internet zu verbringen und trotzdem hatte ich nicht die Disziplin es einfach zu reduzieren. Goodbye Facebook hiess es also, und ich hatte plötzlich Unmengen von Zeit die ich füllen konnte.
Was fasziniert uns eigentlich alle so an Facebook und Twitter und ähnlichen Seiten? Warum zieht uns das so an? Was früher im Tagebuch stand, steht jetzt auf der Startseite, was früher geheim war, wissen jetzt alle „Freunde“. Und warum? Weil die Menschheit anscheinend den Drang zur Selbstmitteilung entdeckt hat. Wir haben das Gefühl, dass es jeden interessiert, was wir zum Nachtessen hatten, was wir für einen Herzschmerz haben, wo wir uns in diesem Moment gerade befinden, und mit wem wir „ims Loove 4-evaa <3“ sind.
Es ist wohl dieses Verlangen, der Welt zu zeigen ICH BIN DA. Es gibt einem die Möglichkeit, ein Bild von sich selbst zu kreieren und es der Welt zu zeigen. Alle schönen Seiten werden hervorgehoben und alles Andere zeigt man einfach nicht. Bis man sich irgendwann einbildet, wirklich so zu sein, und bei allem was man macht und irgendwie cool ist, sofort überlegt wie das auf Facebook aussehen würde.
Und obwohl alle Facebook Bilder genau gleich aussehen, haben wir dann auch noch das Gefühl, dass wir anders sind als die Anderen, dass wir eben „voll crazzy“ sind, wir wollen uns von der Masse abheben.
So hat die Menschheit also auch den Drang zur Individualität entdeckt. Nur, dass die Meisten die damit prahlen, nicht im Geringsten ihren eigenen Stil haben, sondern einfach den Kleiderlook des nächsten Hippies kopiert haben, sich ungeschminkt ablichten und dann unter das Bild schreiben: „will ich eifach soo bin wieni bin, akzeptiers oder fik dii.“
Dieser Druck, sich selbst finden zu müssen und unbedingt ein eigenes Individuum sein zu müssen, überfordert uns dann doch, sodass wir mit unserem sowieso schon schweren Leben nicht klarkommen, nach Aufmerksamkeit schreien müssen, aber nicht mehr fähig sind unsere Freunde live um Hilfe zu bitten und es deshalb auf Facebook stellen.

Vor 2 Wochen habe ich mich bei Facebook wieder angemeldet und ich bereue es bereits jetzt. Der Zeichnungsstift liegt wider ungenutzt umher, das Buch ist schon fast verstaubt und die Jonglier-Bälle wurden zum Katzenspielzeug degradiert. Und doch bin ich halt auch nur ein Mensch, auch wenn mich das oberflächliche Gelaber nicht mal mehr amüsiert komme ich vom Facebook einfach nicht los.

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